Doch wieder ein Lächeln

16. Juni 2017 vom CASA REHA Seniorenpflegeheim Am Klostergarten

Wenn man Tag für Tag auf einem Wohnbereich als Betreuungs- und Pflegekräfte arbeitet, lernt man die einzelnen Bewohner schon recht gut kennen. Man weiß, was sie gerne mögen, was ihnen gut tut, was sie so gar nicht leider können und meistens auch, wie man sie zu lächeln bringen kann. Die Pfleger wissen um die Krankheiten und Schmerzen, die die Menschen plagen, und die Betreuungskräfte kennen oft den seelischen Schmerz oder auch die Lebensgeschichte. Natürlich ist beides – die körperliche wie die seelische Seite der Menschen – nicht scharf voneinander getrennt und natürlich ist nicht jeder jeden Tag gleich. Dennoch gibt es eine gewissen Vertrautheit mit den Bewohnern, die beiden Seiten gut tut.

Wenn eine Person neu einzieht in das Seniorenheim, dann bedeutet es für sie meist eine sehr große Aufregung – eine neue Umgebung, neue Menschen, anderes Essen und oft tausend Fragen, weil es plötzlich keine Routine mehr gibt. Alles ist anders.  Gleichzeitig haben wir Menschen sehr ähnliche Bedürfnisse: Wir benötigen Zuwendung (ein sehr schönes Wort, wie ich finde: Ich drehe mich zu jemandem um und schenke ihm meine ganze Aufmerksamkeit), unsere Grundbedürfnisse wollen befriedigt sein und wir wollen angstfrei und beschützt leben dürfen. Wenn der Verstand noch aktiv ist, sind diese Veränderungen, dieser Umzug ins Seniorenheim  vielleicht noch nachvollziehbar. Doch wie ist es für jemanden, der an Demenz erkrankt ist? Wie kann er oder sie verstehen, was vor sich geht? Warum sich plötzlich alles ändert, warum man aus der vertrauten Umgebung herausgerissen worden ist. Was wollen die vielen fremden Menschen um einen herum? Nichts erkennt man mehr. Und wenn ich mir dann weiter überlege, wie viel Kraft es mich selbst als gesunden Menschen kostet, größere Veränderungen in meinem Leben zu verkraften, so habe ich vielleicht den Hauch einer Ahnung davon, was es für einen alten, an Demenz erkrankten Menschen bedeutet. Umso schöner ist es dann, wenn der neue Bewohner nach einer Weile Vertrauen fasst und doch ein Lächeln wieder in seinem Gesicht erscheint. Das ist dann wie ein Geschenk, das unserer Arbeit ihren Sinn gibt.