Demenz – Wo ist die Grenze? (Teil 2)

12. Juli 2017 vom CASA REHA Seniorenpflegeheim Am Klostergarten

Vor ein paar Tagen hatte ich gefragt, wo die Grenze sei zwischen „normal“ und „dement“ und ob sie wirklich immer so klar sei. Heute nun hatte ich ein Gespräch mit einer Bewohnerin, das mir weitergeholfen hat bei dieser Frage. Ich glaube, dass die Grenze dort gezogen wird, wo eine Gesellschaft ihre Werte und Konventionen festgelegt hat.  Diese Bewohnerin fühlte sich im Stich gelassen von ihrer Familie. Sie wäre abgeschoben worden, so ihre Aussage.  Ihrer Meinung nach könne sie noch alles oder zumindest sehr viel alleine bewältigen. Daher könne sie auch ohne Weiteres noch zu Hause wohnen. Während des Gesprächs zählte sie mir immer wieder auf, wozu sie noch alles in der Lage sei. Offensichtlich waren Leistung und körperliche Fitness die Kriterien, nach denen sie auch ihren eigenen Wert bemaß – ein Maßstab, der in unserer Gesellschaft oft zu finden ist. Mir fiel dabei auf, dass sie  keine „Herzensfähigkeiten“ nannte. Beispielsweise hätte sie ja erwähnen können, dass sie eine sehr gute Oma sein könne. Oder aber dass sie gut Geschichten erzählen könne oder als Rentnerin einfach Zeit habe. Doch die Leistung, das Nach-Außen-hin-Sichtbare, ist oft mehr wert.

Doch wenn ich täglich die Senioren erlebe, merke ich, dass es die  Herzensqualitäten sind, die den Menschen ausmachen – egal, welche äußeren Leistungen er noch erbringen kann.